Modern

Die Geschichte des Tanzes ist wahrscheinlich so alt, wie die Geschichte der Menschheit selbst. Unsere Vorfahren tanzten durch Zeit und Raum für Sonne, Mond, Erde und Wasser - für ihre Götter, ihre Bitten und Wünsche und für ihre Gemeinschaft.

Bis heute entwickelten sich viele Wege zu tanzen, seinen Körper als Ausdrucksmittel zu nutzen und mindestens genau so viele Arten, tanz zu sehen, zu fühlen oder wahrzunehmen.

Als das Ballett mit der Gründung der „Academie de la Danse“ 1661 die Ausbildung professioneller Tänzer in eine Methodik bringen sollte, für deren Realisation dreizehn Tanzmeister verantwortlich waren, sollten diese mit der Academie dem Verfall der Tanzkunst entgegentreten. In den 1662 abgefassten „Lettres patente du roy, pour l’établissement de l’académie royal de danse en la ville de Paris. Vérifiées en Parlement le 30 Mars 1662“ (1) wurde die „Académie royal de danse“ nach dem Vorbild der „Académie royal de peinture et sculpture“ geschaffen.

Bis ca. 1900 entwickelte sich der Bühnentanz in europäischen Traditionen im Rahmen dieser Norm. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es dann zu einem fundamentalen Umbruch. Die einsetzende Kulturkrise entfesselte Freigeister, die sich gegen die Traditionen stellten. Im Tanz entwickelten sich neue Strömungen der Darstellung und der Wahrnehmung. Das Bild des Tänzers befand sich im Wandel.

Die rein klassische Darstellung, die den Körper in eine Form presste, fand immer weniger Raum und seine Tänzer suchten sich aus diesem Korsett zu befreien. Der Körper sollte in allen Teilen wieder funktions- und ausdrucksfähig werden. Griechische Ideale wurden wiederbelebt.

„Zu der Pflege des Geistes gesellt sich die der Kultus des Körpers. Die Ehrfurcht vor dem Leib ist erwacht. Dieser gilt nicht mehr als Gefäß der Sünde, sondern als ein kostbarer Besitz, dessen Funktionen auch die seelischen Funktionen beeinflussen und regeln. Ein schöner Körper soll dieselbe reine Verehrung finden, die einer schönen Seele zuteil wird.“ (2)

Als folge dieser Bestrebungen entstanden rhythmisch - gymnastische Schulen, die zum Teil untereinander konkurrierten, jedoch im Grunde eine gemeinsame Zielsetzung hatten: Das Körpergefühl sollte geweckt werden und der Körper aus seiner Starrheit erlöst werden.

 

 

 (1)Abgedruckt in: Mark Franko: Dance as Text. Ideologies of the Baroque Body. Cambridge university Press. Cambridge. 1993
(2) Schikowski, Geschichte des Tanzes